Tja ich habe letzte Woche geschrieben das sich die Situation von Bitcoin in den nächsten 2 Wochen entscheiden wird und ich denke die Entscheidung ist bereits gefallen! Bitcoins waren und sind von den Marktplätzen auf denen man Sie gegen Dollar und Euro tauschen kann abhängig. Die grösste dieser Plattformen war und ist Mtgox, eine Seite die aus verschiedenen Softwarelösungen zusammengestöpselt wurde und um verschiedene Livefeeds ergänzt wurde die es ermöglichen Handelsticker und sogar professionelle Börsenlösungen mit dem Marktplatz zu nutzen. Alle anderen Marktplätze sind copycats dieser Seite, die gleichen Softwarelösungen werden eingesetzt die gleichen Livefeeds letztendlich aber auch die gleichen Sicherheitslücken.

Mtgox wurde gehackt, die Nutzerdaten gestohlen, an registrierte Mailadressen der Plattform wird Spam verschickt… Bitte wechselt zu … etc. Das ist die Situation, die Version die Magicaltux vertritt sagt aus das ein Notebook bei einem Securityaudit abhanden kam/ die Datenbank der Seite kopiert wurde, die wirkliche Webseite also nicht kompromittiert wurde. Das mag man für plausibel halten, logisch wäre es zumindest, ein Hacker würde immer versuchen auf dem einfachsten Weg an die Daten zu gelangen ein ungesichertes Windows Notebook in einem W-Lan hört sich nach simpler Beute an. Im Endeffekt wurden die Daten genutzt ein Benutzerkonto zu hacken und die Bitcoins abzuziehen, der Umtausch in Dollar konnte verhindert werden, da nur 1.000 $ pro Account pro Tag aus dem System entfernt werden können.

Gerüchte die sich in so einer Situation unheimlich schnell bilden gehen in die drei Standartrichtungen, CIA hat den Markt gehackt, Magicaltux hat es gefaket und will mit dem Geld flüchten und wirft jetzt Nebelkerzen, ein Konkurenzportal hat die Seite gehackt. Magicaltux hat nur herausfinden können das die Ip aus Hongkong kam, allerdings sollte jemand der mehrere Millionen $ stehlen will sicher schon einmal etwas von einem Proxy gehört haben, was die Ip im ersten Moment relativ sinnlos werden lässt.

Wer war es nun wahrscheinlich, Magicaltux würde das meiste Geld abziehen können, er hat automatisch Zugriff auf alle Konten auf denen die echten Dollars liegen, allerdings hat er auch das Grösste Risiko, er steht in der Öffentlichkeit, er hat eine Firma, er wäre schnell erwischt wenn er laufen würde.

Ein Hacker von aussen könnte einen Grossen Reibach machen, würde mit einem berechenbaren Risiko leben müssen und würde vermutlich nicht so schnell erwischt.

Ein Konkurrent könnte den Hacker angeworben haben, hätte geringes Risiko dafür erwischt zu werden, allerdings und das ist das Große Aber in dieser Situation. Ein Konkurrent hätte zwar Interesse an den Kunden von Mtgox aber nicht an einem Image verlust der Währung. Und dieser Verlust ist gerade fast nicht mehr in Geld zu messen… Macht die Sache also auch unwahrscheinlich.

Die CIA, das ist was für Verschwörer… ich denke die hatten Bitcoins noch nichteinmal auf ihrem Plan, die sind alle im Sommerurlaub und hätten im Herbst mal ein Meeting gemacht was das denn ist und wie man es benutzen kann. Eine Informationsveranstaltung seitens eines Entwicklers gab es vor knapp 3 Wochen. Aber Behörden sind da denke ich immer etwas langsam…

Was kommt jetzt ?

John Smith der von Bitcoins im Fernsehen gehört hat wird nach den Berichten nie in die Währung investieren. Die BWler und Informatiker die ihr Geld bei Mtgox hatten werden aus dem Markt rausgehen, it was fun while it lasted… Die Gesellschaft ist was Hacks angeht seid Sony sensibilisiert da will man keinen Spam bekommen nur weil man bei einer Tauschbörse mitmacht. Der Spassfaktor ist also raus, der Frust steigt wie man im Supportthread bei Mtgox sehen kann. Wenn dann auch noch der eine oder andere Account leer ist, oder einfach 2 oder 3 Leute behaupten ihrer wäre leer, bricht der Markt zusammen. Fire Sale so hieß das in Stirb Langsam 4.

Die Gier hat also gesiegt, die Idee ist erstmal am Boden, der Visionär wendet sich ab und hofft auf das nächste Utopia. Als soziales Experiment ist Bitcoins allerdings extrem interessant vom Ikarus der fast so schnell stieg wie der Ölpreis, zum brennenden gerupften Huhn in nur einem Monat. Ob sich der durchaus soziale Gedanke eines auch in ärmeren Ländern bezahlbaren sicheren Transaktionsmediums noch erholen kann sehe ich so schnell nicht.

[Update]

Position von heise.de

Ich bin etwas überrascht von der milden Berichterstattung von heise Alles ab dem Update, nicht nur das der Redakteur anscheinend richtig recherchiert hat inklusive Aussagen von MagicalTux und einem Fürsprecher von weusecoins. Auch die weiteren Schlussfolgerungen sind für einen heise Artikel schon tiefgründig. Anscheinend hat das Bitcoin Fieber zumindest ein oder zwei Redakteure erwischt :) Das relativiert natürlich meine Schreckensvision von oben schon wieder etwas, denn wenn grosse Medien beruhigend auf die Situation einwirken führt das zu einer Entspannung der Lage und kann einen Wertverlust zumindest verlangsamen. Ein kleines Zitat muss ich aber noch kommentieren:

Auf Heise zu lesen:

Aktive Bitcoin-Miner weisen ferner darauf hin, dass der Strompreis lediglich einen Mindestwert der Bitcoin festlege. Das Mining habe bei Bitcoin nicht den Zweck, den Preis zu bestimmen, sondern sei ein prinzipbedingter Arbeitsschritt, vergleichbar mit dem Metallpreis und den Prägekosten bei Münzen. Diese legten auch lediglich einen Mindestwert fest, der in der Regel deutlich unter dem realen Tauschwert liegt.

Das finde ich schon etwas gewagt, denn der Wert der Bitcoins ist ein Fantasieprodukt, ansonsten wären Folding@home Punkte und Seti@home Punkte auch automatisch Geld wert nur weil sie Strom verbrauchen… Eine Währung setzt Vertrauen voraus, sonst hat sie keinen Wert. Und Bitcoin geniest derzeit einen Vertrauensvorschuss, der nicht verspielt werden darf! Der Tatsache das der Preis nicht unbedingt am Strompreis “festkleben” muss stimme ich eingeschränkt zu, aber nur mit Investitionen in die Währung steigt der Preis, wenn alle denken der Himmel fällt Ihnen auf den Kopf sinkt der Preis und dann hören auch die Miner auf ;) Man kann nicht von einem auf das andere schliessen wenn sich beide Kräfte immer ausgleichen und über das Gleichgewicht der Marktpreis bestimmt wird. Das macht das System etwas schwerer zu vorhersagen und macht die Sache mit den Aktien so riskant, es kommt immer anders und als man denkt.

[Update]

Flashcrash ein neues Wort gelernt hier spricht jemand der einen Livefeed von Mtgox zum Zeitpunkt des Crashes aufgenommen hat, die Software die er benutzt hatte ich auch ausprobiert. Allerdings kommt sie mit den Balken ab dem Zeitpunkt wo die Bitcoins 0,01$ wert waren nicht mehr hinterher.

Ein neuerer Kommentar von dem Trader, der versucht hat von Mtgox zu profitieren. Er meint Bitcoin wäre eine Idee deren Zeit gekommen ist (Victor Hugo Idea whos time has come) und vergleicht die dahinterstehende Technologie mit der Erfindung des Buchdrucks und PGP. Etwas euphemistisch für meinen Geschmack, er kennt sich allerdings wohl mit Märkten aus und betont das sein 99$ Experiment das er mit Bitcoin gestartet hat nichts gegen 100.000$ ist die er mit echten Aktien und Optionen bereits verloren hat. Das sollte zumindest etwas Marktwissen entwickelt haben, man lernt bekanntlich am besten aus Fehlern. Das ist auch sein Fazit für Bitcoin, der Fehler lag nicht in der Währung sondern in der Plattform Mtgox.

By Björn-Christian Bönkost, June 21, 2011, 08:04 o'clock

Add your own comment or set a trackback

Currently no comments

  1. No comment yet

Add your own comment



Follow comments according to this article through a RSS 2.0 feed