Ausgehend von einem kurzen heise Artikel, bin ich auf das Projekt Wolfram Alpha gestossen. In den zwei verlinkten englischsprachigen Artikeln wird versucht das Projekt Allgemeinverständlich darzustellen. Im Blog von Nova Spivack gibt es Hintergrundinfos zur Funktionsweise, eine Einschätzung der beantwortbaren Fragen und eine Zukunftsaussicht (er ist studierter Philosoph), er ist beieindruckt, dass liest man deutlich aus seinem Post heraus. Vom Entwickler Stephen Wolfram gibt es in seinem Blog Infos zu der Funktionsweise und den Zielen.

Was ist Wolfram Alpha ?

Ein Expertensystem für alles. Expertensysteme sind ein Erzeugniss der KI Forschung in der Informatik, innerhalb eines begrenzten Raumes (Wissen, Formeln, Körper, alles was abstrahiert werden kann) können sie präzise gestellte Fragen beantworten. So einfach, so banal. Jetzt könnte man meinen, dass ausgehend von einem einfachen System durch sukzessive Erweiterung des Raumes in dem Fragen beantwortet werden können das System “intelligenter” und mächtiger wird es dann irgendwann alle Fragen zu einem Gebiet beantworten kann. Dies war der Ausgangspunkt vor ca. 50 Jahren, als Informatiker geschätzt haben das Problem in den nächsten 10 Jahren lösen zu können. Expertensysteme wurden verbessert, es wurden neue Datenmodelle ausprobiert um mehr Wissen in die Computer zu bekommen, sie breiteren Themengebieten zugänglich zu machen. Die Modelle scheiterten an verschiedenen Hindernissen, die Rechenzeit oder Speichermenge wurde zu gross, die Fragen konnten den Daten nicht mehr zugeordnet werden, es traten Verwechselungen auf, die Antworten wurden zufällig. Mit anderen Worten das Gebiet ist seid ca 50 Jahren nicht wircklich vorangekommen, die gesteckten Ziele wurden bis heute nicht erreicht, sie wurden im Laufe der Jahre sogar immer kleiner.

An dieser Stelle überrascht die Ankündigung von Wolfram Alpha, mit einem durchaus beachtlichen Team von 100 Experten will es Stephen Wolfram geschafft haben diese Limitierungen zu überwinden und ein Expertensystem geschaffen zu haben das beliebige Fragen beantworten kann, mit der Einschränkung das es sich um Faktenwissen handeln muss und die Frage nur eine Antwortmöglichkeit hat.

Was ist jetzt der Unterschied zu Google ?

Google findet nur Antworten die bereits im Internet veröffentlicht wurden. Google durchsucht einen Index berechnet allerdings keine Antworten. Wolfram Alpha sucht nicht im Internet nach den Antworten, sondern berechnet die Antworten aufgrund des eingegebenen Wissen. Das bedeutet es kann die Frage beantworten, Wieviele Präsidenten waren im Amt zwische Bush senior und  Obama ? Wieviele Tage lebte Newton ? Wieviel Wasser fliest in 1 Stunde durch die Themse ? Dabei sollen grosse Wissensbereiche abgedeckt werden, das heist ausgehend von Mathematik und Physik den Stärken von Mathematica, dass vom gleichen Entwickler stammt, sollen die restlichen Wissensgebiete erschlossen worden sein. Ich bin sehr gespannt wie komplex die Fragen sein können, die man dem System stellen kann und die es dann korrekt beantworten kann. Ausgehend von der Begeisterung die Nova Spivack für das neue Projekt aufbringt, nachdem er ein paar Stunden versucht hat Lücken im System zu finden, kann man Grosses erwarten.

Probleme die sich ergeben

Die Daten auf die Wolfram Alpha zurückgreift werden vom Projektteam eingegeben, ein Problem das Wissensbasierte Systeme bis jetzt hatten war, dass dieses Basiswissen nicht schnell genug gewachsen ist und die Systeme so nie “aus den Kinderschuhen” kamen und Spielzeuge für Informatiker blieben. Stephen Wolfram ist der Überzeugung das der von ihm gewählte Modulare Aufbau, schnell genug wachsen kann. Eine weitere Frage ist die Rechenkapazität die benötigt wird. Google  funktiniert nur deswegen so schnell, weil die dahinterliegende Datenstruktur so ausgelegt ist das ein paar 1000 Rechner die Antworten auf alle möglichen Suchanfragen in ihrem Arbeitsspeicher halten. Da allerdings hier nicht nach vorgegeben Antworten gesucht wird und ich auch die Frage stellen kann, was ist die Fakultät von 100.000.000, ist das Problem ob genügend Rechenleistung hinter dem Projekt steht, um alle interessierten Nutzer zu bedienen.

Ist das System intelligent ?

Ist ein Computer der Schach spielt intelligent? Nein. Das System hinter Wolfram Alpha lernt nicht von sich aus, es hat keine Ziele, es ist nicht kreativ. Es nutzt nur die eingegebenen Algorithmen um auf Fragen in Allgemeinsprache Antworten zu finden, es ist kein HAL9000 der Entscheidungen trifft. Allerdings ist es trotzdem ein Durchbruch auf einem verstaubten Gebiet der Informatik der frischen Wind durchaus vertragen kann. Ausserdem bin ich gespannt, wie gut es mit Sprachen ausser Englisch umgehen können wird. Und es wird Lehrern sicherlich einiges Kopfzerbrechen bereiten, zumindest in Chemie, Physik und Mathematik :)

Der offizielle Starttermin ist für den Mai geplant. Ich bin definitiv gespannt auf die Einführung dieser Neuheit. Übrigens bedeutet das eingeben dieser Informationen von einem privaten Team, das man in einigen Gebieten sich nie wieder mit Spam beschäftigen muss.

Andere zum Teil kritische Stimmen:

Update:

Der Spiegel hat auch einen Artikel online gestellt in dem auch auf den Lebenslauf von Stephen Wolfram eingegangen wird.

Die Blogs, bzw. Newsdienste beziehen sich dabei alle auf die beiden oben verlinkten Quellen, die Informationen wiederholen sich also.

Achso und bei Google Trends kann man sehen das, dass Interesse am  semantic web, das eigentlich eine Computerauswertung des Internets auf Basis eines Expertensystems ermöglichen sollte, eher ab als zunimmt. Als Punkt D wird dort twine genannt (als Google Killer ;) ), eine social Network Seite die das Internet für Computer mittels Tags begreifbar machen sollte. Die Seite wurde von Spivack ins Leben gerufen, da er aber jetzt Werbung für die Konkurenz macht, muss die Lösung schon sehr robust und ausgereift sein, immerhin ist er mit twine schon über ein Jahr online, hat also schon einiges an Live Erfahrung gesammelt. Und Tim Berners-Lee der da unter A und F auftaucht ist der Begründer des WWW,  der jetzt versucht das semantic web zu fördern.

Meiner Meinung nach ist WolframAlpha definitiv eine der wichtigsten Neuvorstellungen diesen Jahres.

Update:

Ich habe mich ganz dreist für den geschlossenen Test angemeldet, mir wurde zugesichert das ich eine nicht automatisierte Antwort erhalten werde, da bin ich ehrlicherweise gespannt wie die mit dem Ansturm der Leute zurechtkommen werden…

By Björn-Christian Bönkost, March 10, 2009, 08:30 o'clock

 

Currently 2 comments

  1. Comment by Björn-Christian Bönkost

    Die Frage ist doch, ob eher neue Suchanfragen entstehen oder bestehende abwandern. Das System soll auch Fragen zu Cooking beantworten können, also Kochtipps und Rezepte :) (sehr wissenschaftlich) aber das wird 100% Spamfrei sein und wenn ich daran denke was ich für Suchergebnisse bei Google kriege wenn ich nach Kochrezepten suche… Da gib es manchmal mehr Spam, irreführende und Bezahlseiten als Kontent.

  2. Comment by Dani Schenker

    Meiner Meinung nach, wird Wolfram Alpha keine Konkurrenz fuer Google sein. Auch wenn das System funktioniert. Google bietet doch so viel mehr als einfach nur eine Suchmaschine.